Zisterziensermuseum Kloser Walkenried
Geschichte


 
1098
1098 Das Stammkloster der Zisterzienser wird im burgundischen Citeaux gegründet. Von hier aus verbreitet sich der neue Orden der Weißen Mönche – ihre Ordenstracht ist im Gegensatz zu den schwarzen Kutten der Benediktiner weiß – in einem atemberaubenden Tempo über ganz Europa.




1127 Adelheid von Walkenried stiftet das dritte Zisterzienserkloster im heutigen Deutschland. Wichtige Standortkriterien einer Zisterze (weitab von Siedlungen, Lage in einer Niederung, Wasserbedarf, wirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeit) sind in Walkenried erfüllt.

1129 Ein Gründungskonvent mit 12 Mönchen und einem Abt aus Kloster Kamp am Niederrhein (Mutterkloster Walkenrieds, heute in Kamp-Lintfort), erreicht die Tochtergründung am südlichen Harzrand.

1132 Der deutsche Kaiser Lothar III. bestätigt die Klosterstiftung Walkenrieds. Fast alle Herrscher des 12. und 13. Jhs. bestätigen und vermehren den Klosterbesitz.

1132 Walkenried entsendet 13 Mönche zur Gründung seines ersten Tochterklosters Schmölln. Die Gründung muss jedoch aufgegeben werden.

1137 Die erste erfolgreiche Gründung Walkenrieds entsteht in Pforta bei Naumburg (heute Schulpforta / Bad Kösen). Papst Innozenz II. bestätigt die Klosterstiftung der Adelheid von Walkenried. Die rund 50 m lange romanische Klosterkirche von Walkenried wird nach achtjähriger Bauzeit geweiht.

1141 Walkenried, in dem jetzt mindestens 60 Mönche leben, gründet sein zweites Tochterkloster Sittichenbach bei Eisleben. Dessen erster aus Walkenried stammender Abt wird später als Heiliger verehrt.

1144  Das Kloster beginnt mit der Trockenlegung und Urbarmachung des Oberen Rieds am südlichen Harzrand. Das nötige technische Know-how kommt aus dem Mutterkloster Kamp vom Niederrhein.

ab 1150  Walkenried betreibt zahlreiche Wirtschaftshöfe (Grangien) am südlichen, später auch am nördlichen Harzrand und in Würzburg, und es betreibt Bergbau und Verhüttung am Rammelsberg und im Harz. Das Kloster hat sich zu einem mittelalterlichen Klosterkonzern entwickelt.

um 1190  Der Wasserbautechniker und Laienbruder Jordan von Walkenried legt am südlichen Harzrand Auen und Sümpfe des Unteren Rieds trocken.

1193/94  Nach einem Reitunfall hält sich Heinrich der Löwe als Patient in Walkenried auf.




1290
1204  Spätestens 1204 wird Abt Heidenreich von Walkenried Abt im burgundischen Zisterzienserkloster Morimond (eines der vier zisterziensischen Primärklöster), dem er für rund 10 Jahre vorsteht.

1209  Der deutsche Kaiser Otto IV. und 53 Zisterzienseräbte halten sich zu Beratungen in Walkenried auf. Heidenreich hatte den gotischen Neubau der Klosterkirche initiiert, den Otto IV. nun finanziell fördert.

1215  Ein Bautrupp mit über 20 Walkenrieder Laienbrüdern (Konversen) und weiteren Handlangern arbeitet am gotischen Neubau der Klosterkirche

1218  Der Abt von Walkenried nimmt dem sterbenden Kaiser Otto IV. auf der Harzburg die letzte Beichte ab.

um 1220  Der Walkenrieder Laienbruder und Hüttenmeister Almantis gießt – quellenschriftlich nicht belegter Überlieferung zufolge – den bronzenen Klosterbrunnen. Die zum Teil noch erhaltene Kapelle des Krankentraktes, die Infirmariumskapelle, wird errichtet.

1253  Der Ostteil der neuen gotischen Klosterkirche wird für den Gottesdienst genutzt.
Mit dem Abbruch der romanischen Kirche wird begonnen.

1280  In Walkenried leben 80 Mönche und 180 Laienbrüder.

1290  Die rund 90 Meter lange gotische Klosterkirche, eine der größten Kirchen Norddeutschlands, wird nach rund 80 jähriger Bauzeit geweiht. Auch der doppelte Kreuzgang (Lesegang) ist fertig gestellt.

Ende 13.Jh.  Die beiden Kerngeschäfte des Klosterkonzerns, Agrar- und Montanwesen, werden weiter ausgebaut.

um 1300 Die einzige aus Walkenried stammende und noch erhaltene Handschrift (heute Arnstadt, Oberkirche) wird angefertigt.





um 1330


nach 1300 Das Walkenrieder Kerngeschäft Montanwesen zeigt erste Krisenerscheinungen.
Der Weiße Konzern sichert sich mit Geldgeschäften nach und nach neue Geschäftsfelder, darunter Zins- und Depositengeschäfte sowie Kapitalanlagen.

1323 Zum besseren Schutz gegen Raubüberfälle befestigt Walkenried Kloster und Wirtschaftshöfe mit Mauern.

um 1330 Die heute noch größtenteils erhaltene gotische Klausur ist nach rund 40 Jahren Bauzeit fertig gestellt.

um 1350  Durch den Stillstand in den Harzer Gruben stagniert das Walkenrieder Kerngeschäft Montanwesen völlig.
Ökologische Probleme und die Pest führen auch das Walkenrieder Kerngeschäft Agrarwirtschaft in eine Krise.
Zur Kompensation der wirtschaftlichen Einschnitte betreibt der Weiße Konzern zunehmend Zinswirtschaft.

1351  Walkenried erhält eine Reliquie mit Dornenpartikeln von Herzog Heinrich dem Älteren von Braunschweig-Grubenhagen zum Geschenk, die öffentlich zur Anbetung ausgestellt wird.

nach 1370  Am Chor der Klosterkirche müssen zur Beseitigung von Mauerschäden – entstanden durch hohen Grundwasserstand und andere Baumängel – kostspielige Baumaßnahmen durchgeführt werden. Der Chor erhält den noch heute als Ruine erhaltenen mehreckigen Abschluss.

um 1380  Das Kloster und seine Wirtschaftshöfe werden wiederholt von Raubrittern überfallen.

1399  Der Klosterkonzern befindet sich in einer finanziellen Krise. Der Papst überträgt dem Abt des Erfurter Peterstifts die Zwangsverwaltung über das Kloster zur Schuldentilgung.





1473


um 1410  Walkenried reagiert auf die wirtschaftliche Krise verstärkt mit Zinsgeschäften.

um 1414  Einige Grangien am Südharz werden bei Auseinandersetzungen der untereinander zerstrittenen Grafen von Honstein mehrfach verwüstet.

1424  Walkenried investiert gemeinsam mit anderen Bergherren ohne Erfolg in den niederliegenden Bergbau am Rammelsberg bei Goslar.

ab 1444  Walkenried stößt große Teile seiner nun unrentablen Bergwerke samt Ländereien im und am Harz ab.

bis 1468  Walkenried hat seine Zinseinkünfte erweitert, einige Grangien verpachtet und sein Geschäftsfeld Geldwirtschaft gefestigt.

1473   Der Walkenrieder Prior Dringingberg ordnet das Klosterarchiv mit 1382 Urkunden. Noch heute sind davon über 1000 Schriftstücke erhalten.




Thomas Müntzer


1503  Walkenried hat sich von allen unrentablen Bergbau-Liegenschaften getrennt. Insgesamt bedeutet dies eine große Reduktion seines Landbesitzes.

1519  Der Walkenrieder Klosterkonvent ist auf das kanonische Minimum von 12 Mönchen und einem Abt geschrumpft.

3. Mai 1525  Während des Bauernaufstandes unter Thomas Müntzer besetzen und plündern 800 Bauern Kloster Walkenried, das trotz seiner Einbußen noch immer einen bedeutenden Machtfaktor in der Region darstellt. Der Abriss des Dachreiters durch die Aufständischen leitet den Verfall der Kirche ein. Die Mönche flüchten mitsamt Urkunden und Kleinodien aus Walkenried.

ab 1531  Das Kloster verpachtet und verkauft viele seiner Stadt- und Wirtschaftshöfe. Der im Bauernkrieg beschädigte Ostteil der Klosterkirche wird aufgegeben. Das Kloster erwirbt einen großen Flügelaltar aus dem Göttinger Paulinerkloster, der im Langhaus der Kirche aufgestellt wird.

1546  Die wenigen verbliebenen Walkenrieder Mönche treten zur Lehre Luthers über. Walkenried hat seinen zisterziensischen Charakter verloren.

1556  Mit der Gründung einer Lateinschule erhält Walkenried eine neue Funktion.

1565  Kurfürst August von Sachsen erhebt Ansprüche auf das Kloster und setzt einen Klosterhauptmann ein. Der nunmehr evangelische Abt flüchtet in den Walkenrieder Stadthof in Göttingen.

1567  Der Abt klagt vergeblich vor dem Reichskammergericht gegen die Inbesitznahme des Klosterguts.

1568  Kursachsen muss Kloster Walkenried räumen, bleibt aber neben den Grafen von Honstein dessen Schutzherr.

1570  Die Gottesdienste werden aus der jetzt völlig baufälligen Kirche in den Kapitelsaal verlegt. Er ist bis heute die evangelische Gemeindekirche Walkenrieds.
Der Flügelaltar aus Göttingen wird im Kreuzgang aufgestellt, Teile des gotischen Chorgestühls in den neuen Kirchenraum übernommen.

1574  Die Schutzherrschaft geht von Kursachsen auf den Bischof von Halberstadt über.

1578  Der letzte – evangelische – Abt von Walkenried stirbt. Der Schutzherr Walkenrieds, Graf von Honstein, wird Administrator (Verwalter) des Klosters.
Ein Prior, dem der Konvent formal untersteht, wird mit der Leitung der Lateinschule beauftragt.

1590  Die Klostergüter in der Goldenen Aue am Rand des Südharzes sind verkauft.

1593  Der Bischof von Halberstadt belehnt die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg mit der Grafschaft Honstein.
Damit fallen Klostergebäude, verbliebene Ländereien und Schutzherrschaft an die Landesherren, die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg. Heinrich Julius wird Administrator.




ab 1672

1601  Die von Johannes Letzner verfasste erste Chronik des Klosters Walkenried erscheint.

1612  Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig-Lüneburg wird Administrator von Walkenried und lässt sich dort huldigen.

1629  Während des Dreißigjährigen Krieges nehmen Zisterzienser aus Kaisheim in Schwaben Walkenried in Besitz und versuchen eine Rekatholisierung.

1631 Die Kaisheimer Zisterzienser flüchten vor den Schweden. Der von ihnen mitgenommene Flügelaltar gelangt nach Prag.

1648  Der protestantische Konvent wird aufgehoben.

1662   Das ehemalige Krankengebäude der Mönche (Infirmarium), Teil der Klausur, wird abgerissen.

1668   Die Klosterschule wird geschlossen.

ab 1672   Die gotische Klosterkirche wird für rund 150 Jahre als Steinbruch genutzt.

ab 1682   Teile der Klausur werden abgerissen.

ab 1695   Innerhalb der Kirchenruine werden mehrere Gehöfte errichtet.





ab 1876


ab 1800   Zahlreiche Künstler der Romantik sind von Kirchenruine und Kreuzgang beeindruckt. Auch der bedeutende Berliner Architekt und Denkmalschützer Karl Friedrich Schinkel besucht Walkenried.

1817   Der weitere Abriss der Kirchenruine wird verboten.

1831   Im Südflügel der Klausur wird eine Schnapsbrennerei eingerichtet.

1837   In der Klausur werden erste denkmalpflegerische Maßnahmen durchgeführt.

ab 1850   Landschaftsmaler der Romantik sind von den Ruinen und der sie umgebenden Natur beeindruckt. Walkenried wird zum „Malerparadies“.

1852   Im Braunschweiger Hoftheater wird die szenisch- musikalische Darstellung „Kloster Walkenried“ mit der Musik von Carl Richter aufgeführt.

1863   Die in der Kirchenruine errichteten Gehöfte werden wieder abgetragen.

ab 1875   Das Dorf Walkenried wächst über die Klostermauern hinaus.

ab 1876   Im Kreuzgang werden Renovierungsmaßnahmen durchgeführt.





ab 1977


1902   Die Ruine des Chorpolygons stürzt teilweise ein.

1911   Mauerreste der romanischen Klosterkirche werden bei ersten archäologischen Grabungen entdeckt.

1972   Der einsturzgefährdete gotische Chor wird aus Sicherheitsgründen abgetragen.

ab 1977   Der Landkreis Osterode am Harz erhält von der Eigentümerin des Klosters Walkenried, der Braunschweig-Stiftung (heute Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz) die Trägerschaft und beginnt mit umfangreichen Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen. Diese werden durch archäologische Grabungen der Niedersächsischen Landesdenkmalpflege begleitet.

ab 1984   Die Walkenrieder Kreuzgangkonzerte finden statt.

1988   Die Ruine des gotischen Chores wird wieder aufgebaut.




2001   Die Arbeiten zur Herrichtung des Klosters Walkenried als Museum beginnen.

Juli 2006   Das ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried wird eröffnet.

2010   Das Kloster Walkenried wird gemeinsam mit der Oberharzer Wasserwirtschaft UNESCO-Weltkulturerbe.